Teaser: Wer Elektronikprojekte baut, kennt das Problem: Das benötigte Bauteil ist bestimmt irgendwo vorhanden – nur wo? SmartDepot ist eine Schweizer Inventar-App, die speziell aus dem Alltag eines Makers entstanden ist.
Das typische Maker-Lager
Mit jedem Projekt wächst die Sammlung: Widerstände, Sensoren, Kabel, Schrauben, Motoren, Entwicklungsboards, 3D-Druck-Teile und natürlich jene Komponenten, die man irgendwann ganz bestimmt noch brauchen kann.
Irgendwann sind die Bauteile zwar ordentlich auf Boxen und Schubladen verteilt, doch das eigentliche Problem bleibt: Man weiss nicht mehr, was man besitzt und wo es liegt.
Also wird gesucht. Oder sicherheitshalber nochmals bestellt. Drei Wochen später taucht das ursprüngliche Teil wieder auf – meistens genau dort, wo man bereits zweimal nachgesehen hat.
Aus einem echten Problem entstanden
SmartDepot ist nicht am Whiteboard eines grossen Softwareunternehmens entstanden, sondern zwischen Werkstatt, Hackerspace und zu vielen gleichzeitig laufenden Projekten.
Entwickelt wird SmartDepot von Alf Müller, einem begeisterten Maker und Gründer des Hackerspace eastermundigen. Der Ausgangspunkt war eine einfache Frage:
Wie kann ich meine Bauteile so organisieren, dass das Erfassen nicht mehr Arbeit verursacht als das spätere Suchen?
Klassische Warenwirtschaftssysteme passen selten zu einer Maker-Werkstatt. Dort gibt es keine geraden Lagerhallen mit genormten Plätzen. Es gibt Räume, Regale, Schubladen, Sortimentskoffer, Fahrzeuge, Projektboxen und manchmal eine Kiste mit der wenig hilfreichen Beschriftung «Diverses».
SmartDepot bildet genau solche Strukturen ab.
Kiste beschriften, scannen, Inhalt sehen
Jeder Lagerplatz kann in SmartDepot einen eigenen QR-Code erhalten. Dieser wird ausgedruckt und auf eine Box, Schublade oder ein Regal geklebt.
Beim Einlagern wird der QR-Code mit dem Smartphone gescannt. Danach lassen sich die Bauteile dem Lagerplatz zuordnen. Die Erfassung funktioniert je nach Situation über Text, Barcode, Sprache oder Foto.
Später genügt eine Suche nach Name, Artikelnummer oder Barcode. SmartDepot zeigt nicht nur den Bestand, sondern auch den vollständigen Weg zum gesuchten Teil – zum Beispiel:
Werkstatt → Elektronikregal → Sortimentsbox 3 → Fach 12
Damit wird aus «Das müsste irgendwo im Keller sein» eine konkrete Ortsangabe.
Auch unfertige Projekte gehören zur Realität
Maker arbeiten selten nur an einem Projekt. Neben dem aktuellen Roboter warten vielleicht noch eine Wetterstation, ein LoRa-Sensor und ein halb zerlegter 3D-Drucker auf Aufmerksamkeit.
SmartDepot kann Material Projekten zuordnen und reservierte Teile vom frei verfügbaren Bestand unterscheiden. So sieht man, ob die vorhandenen ESP32-Boards tatsächlich verfügbar oder bereits für ein anderes Vorhaben eingeplant sind.
Auch erwartete Bestellungen bleiben zunächst vom echten Bestand getrennt. Erst wenn die Lieferung angekommen und eingelagert ist, wird daraus verfügbares Material. Das klingt nach einem kleinen Detail, verhindert aber einige unangenehme Überraschungen auf der Werkbank.
Ordnung soll dem Bauen dienen
Natürlich kann man jede Schraube einzeln katalogisieren. Man muss aber nicht.
Ein gutes Ordnungssystem wächst mit den eigenen Bedürfnissen. Für den Einstieg reichen oft wenige klar beschriftete Bereiche:
- Elektronik und Mikrocontroller
- Kabel und Steckverbinder
- Mechanische Bauteile
- Werkzeuge
- Verbrauchsmaterial
- Laufende Projekte
Danach kann die Struktur Schritt für Schritt genauer werden. Entscheidend ist, dass neue Teile direkt dort erfasst werden, wo sie tatsächlich landen.
SmartDepot läuft im Browser und kann auf Smartphone, Tablet und Computer verwendet werden. Der aktuelle Bestand lässt sich jederzeit als CSV-Datei exportieren. Die eigenen Daten bleiben damit portabel.
Weniger suchen, mehr bauen
Ordnung ist für Maker kein Selbstzweck. Sie soll nicht schön aussehen, sondern Projekte ermöglichen.
Wenn ein Bauteil innert Sekunden gefunden wird, bleibt mehr Zeit zum Löten, Programmieren, Reparieren und Experimentieren. Gleichzeitig werden weniger Teile doppelt bestellt und vorhandenes Material wird häufiger wiederverwendet.
Wer seine eigene Werkstatt, den Bastelkeller oder einen gemeinsam genutzten Hackerspace organisieren möchte, kann SmartDepot kostenlos ausprobieren.
Denn das beste Bauteil ist manchmal nicht das neu bestellte – sondern jenes, das bereits in der richtigen Schublade liegt.
Transparenzhinweis: SmartDepot ist ein unabhängiges Projekt von Alf Müller, dem Gründer des Hackerspace Eastermundigen. Es entstand aus seinem eigenen Werkstatt- und Maker-Alltag. Weitere Informationen zur Entstehung gibt es auf der Seite Über SmartDepot.